Geld essen Zauber auf
Magie zerbricht nicht – sie erstickt
unter dem Gewicht glänzender Münzen,
falscher Werte und der Wirbelstürme,
die alles drehen… außer das Wunder.
Die Kugel direkt vor Augen, schlug Anne noch einmal mit dem Hammer zu. Das Ergebnis übertraf alle ihre Erwartungen. Innerhalb weniger Sekunden spielte sich vor ihren Augen ein wahres Drama ab. Mitten aus dem Wald stieg eine kleine Wolke auf, die schnell immer dichter wurde, sich zu drehen begann und sich nach und nach in die magische Windhose verwandelte, die Anne so gut kannte.
Doch bevor sie ihre volle Größe erreichen konnte, wurde sie von der viel größeren Geld-Windhose erfasst und verschluckt. Sie hatte keine Chance, der Glaskugel zu entkommen. Feuerlocke wurde bleich vor Wut.
„Aha, so ist das also!“, zischte sie und ballte die Hände zu Fäusten. „Deshalb funktioniert der Zauber nicht. Und wir schütteln und hämmern hier wie die Irren. Aber warte nur, bald werden wir sehen, wer hier der Verrückte ist. Bilde dir nichts ein, wir haben schon viel Schlimmeres erlebt.“
Drohen kostete nichts, aber bringen tat’s auch nichts. So sehr sie sich auch bemühte — und sie versuchte es den Rest des Tages — sie fand keine Lösung, so sehr sie auch die Fäuste ballen mochte. Erst am nächsten Tag ging sie die Sache ruhiger an. Und als sie die Kugel methodisch untersuchte, kam ihr ein Verdacht.
Auf den ersten Blick sah es so aus, als verteilten sich die winzigen, glitzernden Münzen völlig willkürlich, doch bei genauerem Hinsehen schienen sie bestimmten Regeln zu folgen. Sie rieselten nur auf bestimmte Stellen des Miniaturwaldes, aber einen Bereich mieden sie, als würde eine unsichtbare Kraft sie davon fernhalten. Bald war Anne fest davon überzeugt, dass es sich dabei ausgerechnet um die Gegend um das Gespensterhaus, den Sumpf und die Orchideenwiese handelte, also um all die Orte, die sie schon kannten. Aber warum das so war, war ihr noch völlig unklar.
Gedanken zur Szene
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Das zweite Buch beginnt nicht mit einem Knall, sondern mit einem Rätsel – und einer Blockade. Anne ist zurück in der wirklichen Welt, doch die Tür zum Wald scheint verschlossen. Das magische Spiel ist verschwunden, und Herr Laptsev ist nirgends zu finden. Was bleibt, ist ein einziges vergessenes Zeichen aus dem Wald: eine Schneekugel. Doch statt sie zurückzubringen, zeigt sie ihr etwas zutiefst Verstörendes. Der Wald hat sich verändert. Er ist zu etwas anderem geworden – einem Vergnügungspark, einer Themenwelt. Heinoland™.
Das ist der erste brutale Schock dieses Buches: Die magische Welt des ersten Bandes ist nicht nur nicht geheilt worden – sie wurde kolonisiert. Kommerzialisiert. Neu verpackt. Und am verstörendsten von allem: Anne kann sie nicht mehr betreten.
Der Grund? Die Schneeflocken in der Kugel sind gar kein Schnee. Es sind Münzen. Geld. Sie fallen wie ein Schneesturm über den Wald und bilden eine dichte Schicht, die die Magie erstickt. In einem brillanten satirischen Zug macht das Buch seine zentrale Aussage wörtlich: Geld tötet Magie.
Annes Versuche, wieder in den Wald zu gelangen, werden zur Metapher des Widerstands. Sie und das nun verstummte Rucksäckchen untersuchen die Kugel, beobachten, entschlüsseln. Der magische Wirbelwind, der sie einst hineintrug, versucht noch immer zu entstehen – wird jedoch immer wieder von einem stärkeren Wirbelwind aus Geld zerdrückt.
Diese Szene ist still, aber radikal. Sie setzt den Ton für das ganze Buch: Satire, Verrat, Entzauberung – und eine neue Form von Mut. Anne muss nun nicht nur gegen das Böse kämpfen, sondern gegen Entropie. Nicht nur gegen Monster, sondern gegen Ideologie.